Alle News und Infos über Glendronach und Tasting Glendronach 12

Aktualisiert: 11. Jan 2019



Heute möchte ich mich etwas eingehender mit einer meiner Lieblingsdestillen beschäftigen. Gerade in den letzten Jahren haben sich einige Gerüchte und Mythen rund um Glendronach verbreitet und diesen möchte ich auf den Grund gehen.


Die Brennerei Glendronach liegt in den schottischen Highlands und wurde im Jahr 1826 von James Allardice gegründet. Die Gerste wird vor Ort von umliegenden Höfen bezogen und gelangt zu 99% unpeated in die Brennblase. Das Wasser bezieht die Brennerei aus dem nahe gelegenen Fluss Dronac Burn. In den Anfangszeiten machte sich die Brennerei schnell einen Namen beim Londoner Adel. In der Folge wechselte die Brennerei mehrfach den Besitzer. Von 1920-1960 gehörte die Brennerei Charles Grant, einem Sohn von William Grant, dem wiederum die Destillerie Glenfiddich gehörte.


Danach gehörte Glendronach zu Wm Teacher & Sons, dessen Mutterkonzern Allied Domecq Glendronach im Jahr 1996 einmottete und im Jahr 2002 wieder eröffnete. Im Jahr 2005 ging Glendronach an Pernod Ricard über und diese verkauften die Destillerie 2008 weiter an Benriach Distillery Co. Ltd. Ab da leitete Billy Walker die Geschäfte und machte Glendronach wieder groß, sowohl den Namen als auch die Produktionsmenge (1,3mio. Liter pro Jahr). Bis Herr Walker Glendronach 2016 an Brown-Forman verkaufte für 285 Millionen Pfund.


So gut wie alle Gerüchte und Mythen um Glendronach ranken sich um die Produktionspause zwischen 1996 und 2002 und um Billy Walkers Ausgabe- und Fassmanagement. Beginnen möchte ich mit dem Mythos: „Viele Glendronachs sind älter als das Agestatement angibt!“


Um es kurz zu machen, ja es stimmt. Billy Walker hat die Standard-Range von Glendronach ab 2008 weitergeführt und damit in Kauf genommen, dass so manch als 12,15,18 und 21jähriger Whisky deklarierter Malt in Wahrheit teilweise deutlich älter ist.

Wie sonst könnte er zum Beispiel 2011 einen 12jährigen Glendronach rausbringen, wenn im Jahr 1999 kein Whisky gebrannt wurde. Manch Malthead warf die Frage auf, ob die Whiskys eventuell in Stahltanks umgefüllt wurden um den Reifeprozess zu stoppen und die Fässer wieder verfügbar zu machen. Doch Glendronachs Brand Ambassador gab gegenüber einem dänischen Journalisten zu, dass die Whiskys älter in die Flasche kommen, als deklariert wurde ( Nein, das ist kein Verbrechen, das Age-Statement auf einem Whisky zeigt die Mindestreifezeit an, mehr geht also immer).


Um zu verdeutlichen auf welche Abfüllungen sich diese Produktionslücke positiv auswirkt, im Sinne von der Malt ist älter als angegeben, habe ich euch hier eine Tabelle gebastelt. Am rechten Rand ist jeweils ein Durchschnitt der Whiskybase-Bewertungen der Abfüllung angegeben.

In der Tabelle wird davon ausgegangen, dass im Jahr 1996 überhaupt nichts produziert wurde, das ist jedoch nicht ganz richtig. Es wurde wohl am Jahresanfang 1996 noch eine kleine Menge produziert, dies beweist auch eine Single Cask Abfüllung von Glendronach, dessen Inhalt 1996 produziert wurde. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der allermeiste Inhalt der „zu alten Whiskys“ 1995 oder früher produziert wurde.



Was macht man aber nun mit dieser Info? Ich habe die Whiskybase-Bewertung der Jahrgänge an den Rand geschrieben um zu schauen, ob der Whisky denn mit jedem Jahr das er mehr auf dem Buckel hat auch besser bewertet wurde. Das Ergebnis ist, nein nicht wirklich. Der Glendronach 12 (18) von 2013 hat zwar die mit Abstand beste Base-Bewertung aber der Glendronach 12 (16) von 2011 hat eine schlechtere Bewertung als alle anderen. Klar muss man auch sagen die Whiskybase ist nicht die Bibel oder der Koran. Ich habe den Glendronach 12 von 2013 hier mal abgelichtet neben einem Glendronach 12 von 2015 und die Farbe ist schon etwas dunkler, auch wenn das auf einem Foto nicht so leicht zu erkennen ist.


Ich denke wenn man der Tabelle eine wichtige Info entnehmen kann, dann ist es, dass der Glendronach 18 seit 2014 mit jedem Jahr älter und besser bewertet wird. Bis zur Abfüllung von 2019 bekommt man also einen deutlich älteren Malt als angegeben, der auch noch sehr gut schmeckt. Also klare Kaufempfehlung.



Ich rate hingegen davon ab jetzt noch alte Jahrgänge einzusammeln, denn dabei zahlt man schon den Aufpreis, den man ja eigentlich selbst gerne generieren möchte. Der Glendronach 12 von 2013 ist zum Beispiel nur noch bei einem Händler verfügbar und kostet derzeit knapp 60€.


Nun aber schnell zum zweiten Gerücht: Billy Walker hat alle guten Fässer von Glendronach abgefüllt, bevor er die Destille wieder verkauft hat!

Fest steht, als Benriach Distillery Co. Ltd. Glendronach im Jahr 2008 erworben hat, erwarben Sie auch einen Bestand von 35.000 Fässern und versuchten in der Folge weitere Fässer, die an Blender verkauft wurden, zurückzukaufen. Ob Billy Walker die besten Fässer aus diesen 35.000 alle abgefüllt hat, bevor er Glendronach 2016 wieder veräusserte ist natürlich nicht zu beantworten. Es wäre jedenfalls klug wenn er es getan hätte. Und es kamen immerhin so viele Single Casks und andere Abfüllungen unter Billy Walker auf den Markt, dass man davon ausgehen kann, das viele gute Fässer verbraucht wurden. Neben den Single Casks begann Glendronach unter Billy auch noch die Cask-Strenght-Batches herauszubringen. Diese Abfüllungen sind eine gute Gelegenheit einen Glendronach in fassstärke zu kosten, ohne Unsummen für eine Single-Cask-Abfüllung auszugeben.


Da der Öffentlichkeit nicht bekannt ist wie viele Fässer im Bestand waren als Billy Walker Glendronach an Brown Forman verkaufte und wie viele Fässer von vor 1995 darunter waren, ist die Frage ob Billy Walker alle guten Fässer verbrauchte nicht zu beantworten. Mich persönlich interessiert es sehr wie ein älterer Glendronach schmecken wird, der unter Billy Walker produziert wurde. Wenn also jemand weiß wo ich mir ein Vorkaufrecht für eine Flasche Glendronach 18 von 2026 sichern kann, dann schick bitte eine Mail an mich.


Ich persönlich bin großer Fan des Glendronach 12 und kann mir meine Bar nicht ohne eine Flasche davon vorstellen, daher verkoste ich heute (nicht zum ersten Mal) einen Glendronach 12 von 2015:


Geruch:

Beim geruch dominiert der Sherry. Süße dunkle Früchte, Pflaumen, Rosinen und Gewürze kommen einem entgegen. Nüsse und Orangen gesellen sich dazu und die Frage "ja ist denn heut schon Weihnachten?" ist berechtigt.


Geschmack:

Auch hier bekommt man genau das, für das man bezahlt hat. Süße Sherrynoten, Nelken, eingelegte Früchte, Pflaumen, dunkle Beeren und dazu trockene Holzaromen.


Abgang:

Der Abgang bringt ein leichtes prickeln mit sich, ist angenehm holzig und nussig und auch hier kommen die Früchte und der Sherry durch. Man muss klar sagen, dass ein Abgang durchaus noch länger sein kann, aber für einen 12-jährigen, 30€ Malt ist auch der Abgang sehr gelungen.


Fazit:

Zunächst mal ein kurzes Fazit zum Glendronach 12 (2015). Hier findet man ein super Preis-Leistungs-Verhältnis. Von mir bekommt der Malt 86 Punkte.

Shoplink:


Jetzt das Fazit zu Glendronach im Allgemeinen. In den letzten Jahren wurden vermehrt Sherry-Bomben auf den Markt gebracht, zur Freude vieler Menschen und zum Leidwesen anderer. Glendronach ist ganz klar so eine Sherry-Bombe und in der Vergangenheit waren zumindest die Standard-Abfüllungen immer reichlich zu einem guten Preis zu finden. Der Glendronach Parliament mit seinen 21 Jahren, 48% und einem Preis unter 100€ sucht alleine von den Eckdaten her schon seines Gleichen. Und auch die Bewertungen mit einem 90er-Schnitt sprechen für sich. ich persönlich werde in den nächsten Jahren noch viele Glendronachs in mein Lager stellen, denn Glendronach hat den Sherry-Whisky-Boom mitgeprägt. Wie viel wurde über Glendronach diskutiert und gerätselt. Und auch heute noch sorgt die Destille für Gesprächsstoff. Schmeckt der neue Glendronach Revival? Wird der Glendronach Allardice bald eingestellt?

Noch gibt es ihn jedenfalls und ich werde das nutzen. Schon heute kennt der Preis nur eine Richtung und ich gehe davon aus, dass das so bleibt. Und wenn nicht dann habe ich viele leckere Whiskys im Lager stehen an denen ich mich immer erfreuen kann.

Danke fürs Lesen.

Malthead