Armorik Double Maturation Tasting

Aktualisiert: 11. Jan 2019


In den letzten Tagen hatte ich unter anderem den Armorik double maturation im Glas. Ich konnte eine kleine Miniatur dieses Malts auf der "Fine" in Baden-Baden erstehen, über deren Besuch ich hier ja schon berichtet habe. Im Moment des Kaufs war mir gar nicht bewusst, dass ich unmöglich eine andere Miniatur hätte kaufen können, denn nun kommt der Witz:


Der Amorik wird in Lannion destilliert. Dieser Ort in der Bretagne liegt auf dem Breitengrad 48,732. Baden-Baden liegt auf dem Breitengrad 48,765 und somit liegen die beiden Orte was den Breitengrad angeht nur ca. einen Kilometer auseinander. Nach dieser witzigen und sinnlosen Information komme ich nun aber kurz zur Geschichte der Destillerie Warenghem, die seit 1988 auch den Single Malt Armorik produziert.



Bereits seit über hundert Jahren wird in der Destillerie Warenghem guter Stoff produziert. Zu Beginn war der Kassenschlager der Brennerei das "Elixir dÁrmorique", das aus 35 Kräutern besteht und als Kräuterlikör bezeichnet werden darf. Im Laufe der Geschichte der Brennerei kamen weitere Obstbrände und Liköre hinzu.


Im Jahr 1983 übernimmt Gilles Leizour die Leitung des Unternehmens. Als ausgebildeter Chemiker und Whisky-Afiner Mensch unternimmt er einige Reisen nach Schottland und bringt dann im Jahr 1987 den ersten Blended Whisky der Brennerei und 1988 den ersten Single Malt der Brennerei heraus. Warenghem produziert außerdem seit 1992 einen Fine Bretagne. Der Fine Bretagne ist salopp gesagt ein Calvados (Apfelbranntwein), der nicht in der Normandie produziert wird.


Die Destillerie Warenghem fühlt sich sehr mit der Bretagne verbunden und bringt dies auch immer wieder in ihren Abfüllungen zur Geltung. So ist der Armorik ganz offiziell ein bretonischer Whisky und es werden regelmäßig Projekte realisiert um die Bretagne als Region in die Destillate "einfließen" zu lassen. Unter anderem wurde ein Single Malt in Fässern aus bretonischer Eiche gelagert. Jetzt aber mal Tasten:


Geruch:

Das erste was ich gerochen habe war Banane, tropische Früchte und Malz. Dahinter kam Holz, Vanille, grasige Noten und erfreulicherweise kaum Alkohol. Sherryeinflüsse sind bemerkbar, Sherry ansich aber nicht.


Geschmack:

Der Malt beginnt sehr süßlich und fruchtig im Mund. Der Bourboneinfluss ist deutlich da. Der Whisky hat eine nette Stärke mit leichtem Pfeffer und einem guten Holzeinfluss. Der Sherry ist im Geschmack etwas deutlicher erkennbar als im Geruch, für mich dominiert aber der Bourbon.


Abgang:

Der Abgang beginnt leicht bitter mit viel Holz und ist doch recht kräftig. Er wird dann aber zunehmend süßer und wärmt angenehm für ein ganzes weilchen. Insgesamt mittel-lang.


Fazit:

Für mich war der Armorik double maturation ein durchaus guter Standart-Malt den ich persönlich niemals auf nicht-schottisch getippt hätte, wenn ich es nicht vorher gewusst hätte. Um diese These zu untermauern habe ich einem Freund ein Blindsample angedreht und auch er hat nicht herausgeschmeckt, dass er keinen Schotte im Glas hatte. Seine Aussage war auf den Punkt gebracht: "hat geschmeckt wie ein Glenlivet in gut."(82 Punkte)


Wer über einen Kauf nachdenkt dem kann ich sagen, dass er tatsächlich in Deutschland die besten Preise finden kann. Ausnahmsweise lohnt es sich hier mal nicht die holländischen Shops abzuklappern oder dunkle Ecken französischer Supermärkte zu durchstöbern, Deutschland verkauft den Armorik am günstigsten.


Danke fürs Lesen.

Malthead