Benrinnes 18yrs. Cadenhead bottled 1990


Als dieser Whisky produziert wurde (1971) liefen die Dinge noch etwas anders im Hause Benrinnes. Die Gerste wurde noch in der Umgebung von der Brennerei selbst angebaut und in einer recht frisch eingebauten Saladin-Box gemälzt. Was so geheimnisvoll klingt ist im Grunde genommen nur eine große Betonbox, in der die Gerste durch große Schnecken gewendet wird. 1971 war dies jedoch recht modern und ersetzte das anstrengende Wenden von Hand. Zu dieser Zeit wurde der Spirit bei Benrinnes auch noch in einem komplizierten und einzigartigen Verfahren dreifach destilliert.

Heute wird bei Benrinnes nurnoch zweifach destilliert und die Gerste wird von ausserhalb bezogen. Sie wird weder von Benrinnes angebaut noch lagert sie in Saladin-Boxen. Heute mälzt die Gerste in großen mechanischen Trommeln, die eine gleichbleibende "Qualität" gewährleisten können.

Damals so wie heute, produzierte Benrinnes fast ausschließlich für die Blend-Industrie und es kamen hier und da Single Malts von unabhängigen Abfüllern auf den Markt. 1971 gehörte Benrinnes noch zu John Dewar & Son´s heute zu Diageo.

Wer heute einen Benrinnes trinken möchte muss sich also entweder bei den unabhängigen Abfüllern umgucken oder versuchen ihn aus einem Johnnie Walker oder Justerini&Brooks herauszuschmecken. Bevor ich mit dem Tasting beginne, hier noch der Base-Link zu meinem Mini.


Tasting


Geruch:

Manchmal sagen mir meine Freunde ich wäre ein Opa. Ich bin zwar erst ganz knapp über 30 aber ich habe nunmal Frau und Kinder und ein Haus und stehe auf Gold und Whisky. Das ist Grund genug für so Manchen mich Opi zu nennen. Und wenn ich diesen Whisky im Glas habe denke ich: Ich bin gerne der Opi und beschäftige mich mit altem Kram. Diese, mir mittlerweile bekannten, herrlichen Noten in Whisky´s aus "besseren Zeiten" machen es lohnenswert. Würziges und gleichzeitig süßes Holz, eine Süße zwischen Honig, Bienenwachs und Lack. Und dazu Noten von Leder und Tabakblättern.


Geschmack:

Der Geschmack dieses Benrinnes ist die nahtlose Fortsetzung des Geruchs. Es startet alles sehr süß und würzig und die 55,3% vol. entwickeln etwas Hitze. Neben dem Wachs und Honig kommt hier auch eine Fruchtnote hinzu. Reife Orangen, Nüsse und Möbelpolitur kombinieren sich zu einem Geschmack wie ich ihn nicht oft genug haben kann.


Abgang:

Im Abgang dominieren die würzigen Noten und das fruchtige tritt in den Hintergrund. Der Malt ist sehr würzig, pfeffrig und wird ganz leicht bitter. Tabak, dunkle Schokolade, Espresso und Walnüsse werden durch Leder und Wachs abgerundet. Ein Abgang wie ein feinherbes Dessert.


Fazit:

Es ist wohl schon zu erahnen, dass ich den Whisky nicht ganz schlecht fand. Es ist ein sehr öliger wunderbarer Oldscool-Malt der mir gleichzeitig Freude macht und eine gewisse Melancholie in mir auslöst. Ich würde gerne in einen Supermarkt spazieren in das Regal greifen und für 40-50€ so einen Whisky kaufen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Ein solches Geschmacksprofil habe ich bei heutigen Whiskys bisher nicht gefunden. Wer etwas weiß, bitte ab in die Kommentare damit. Von mir gibt es heute 89 Punkte für einen super Malt.

Zum Abschluss noch ein paar Links zu moderneren Benrinnes und wie immer:




Danke fürs Lesen

Malthead

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