Besuch den Himmel nicht mit Handgepäck! – Tasting Glen Scotia 15

Aktualisiert: 11. Jan 2019

Am letzten Wochenende war ich gemeinsam mit meinem Schwager in London um Football zu schauen. Damit hier keine Verwirrung aufkommt, ich rede von American Football. Die Seahawks haben, wie erhofft, die Raiders in den Boden gestampft und der Stadionbesuch war ein einmaliges Erlebnis.


Da uns am Montag noch etwas Zeit blieb, sind wir durch die Stadt gelaufen und haben uns die eine oder andere Sehenswürdigkeit angeschaut. Auf meinen Wunsch hin haben wir auch einen Whiskyladen besucht. In einer unauffälligen Seitenstraße fand ich ein absolutes Whisky-Paradies, The Whisky Exchange.


In den Regalen dieses Shops lagerte Whisky aus allen Epochen zu allen vorstellbaren Preisen. Längst nicht mehr produzierte Standartabfüllungen, gesuchte Einzelfässer, Kuriositäten, Raritäten und hier und da auch „ganz normale Whiskys“.




Der sehr freundliche britische Verkäufer nahm mir recht schnell die Illusion, dass man vor Ort etwas probieren könnte (ich hätte dafür auch bezahlt). Zu allem Überfluss war ich natürlich so blöd und bin nur mit Handgepäck nach London gereist. Ich konnte also nichts mitnehmen. Der Verkäufer zeigte Mitleid und wies mich darauf hin, dass Sie auch Miniaturen im Angebot hätten.


Ich ging also zurück ins Erdgeschoss und suchte mir eine Miniatur aus. Da ich Campbeltown bisher ziemlich vernachlässigt habe, entschied ich mich für einen Glen Scotia 15. Dann wurde mir bewusst, dass ich den Whisky ja nicht aus einem Pappbecher trinken kann und ich ging wieder nach unten zu meinem Lieblingsverkäufer und holte mir noch ein Glencairn-Glas dazu. Er grinste und meinte ich würde wohl nicht zum ersten Mal Whisky trinken. Wie Recht er doch hatte.


Die passende Location zur Verkostung war schnell gefunden und nicht weit entfernt. In der Nähe des Buckingham Palace, wo weder ich noch mein Schwager uns für die Schwangerschaft von Meghan verantwortlich gemacht haben, ließ ich mich im St Jame´s Park nieder.


Ungeschützt von den Blicken vorbeilaufender Jogger, geschäftiger Geschäftsmänner, Reisegruppen und Unmengen französischer Schulklassen genoss ich dann meinen Whisky, stilecht aus meinem Glencairn-Glas. Ich wurde kritisch beäugt, es war mir jedoch egal. Auch um 12:30 Uhr kann man sich mal einen Dram einschenken, Urlaub ist Urlaub. Nun aber zum Tasting:


Geruch:

Zunächst konnte der Geruch mich weder überzeugen noch begeistern. Es roch nach Kleber und Alkohol. Nach ein wenig Zeit im Glas roch es dann doch noch angenehm süßlich nach Äpfeln, Vanille und etwas kräuterig.


Geschmack:

Der Glen Scotia ist im Mund zunächst mal recht süß und weich. Er schmeckt nussig, vanillig und leicht sauer. Er wird dann doch noch etwas kräftiger und man kann sich nicht richtig festlegen welches Obst man gerade schmeckt. Auch ein paar Gewürz- und Holznoten schwingen mit.

Abgang:

Der Abgang ist nicht unendlich lang aber doch anständig. Er ist wärmend und angenehm süß und nussig. Der Mund wird etwas trocken und man kann den Torfrauch erahnen. Auch ein paar Holzaromen sind dabei.

Fazit:

Zunächst mal muss ich feststellen, dass der Whisky relativ vielschichtig ist. Er verändert sich im Geruch nach einer gewissen Zeit an der frischen Luft. Der Geschmack verändert sich im Mund und auch der Abgang wechselt von süß über nussig hin zu trockenem Holz. Dies sind für mich Punkte die positiv zu bewerten sind. Der Malt ist wenn man sich das veranschaulicht nämlich durchaus komplex. Es wäre daher wohl unfair ihn nicht gut zu bewerten, auch wenn er leider nicht ganz mein Geschmack war. Dieser Malt hat bestimmt seine Fanbase und die kann sich glücklich schätzen, denn kosten tut der Glen Scotia 15 für heutige Verhältnisse quasi nichts. Meine Bewertung für diesen Malt wäre eine objektive 86 und eine subjektive 80.


Danke fürs Lesen

Malthead