Der Geschmack von Liebe und Enttäuschung - P&M Vintage Tasting

Aktualisiert: 11. Jan 2019

Um die Leserschaft auf dieses Tasting einzustimmen muss ich etwas ausholen. Seit ich denken kann fahre ich mindestens einmal im Jahr nach Korsika in den Urlaub. Seitdem mein Vater vor mehr als 30 Jahren die Insel für sich entdeckte, zog es uns als Familie quasi ausschließlich in dieses kleine Paradies im Mittelmeer. Mein Vater kaufte dort ein kleines Ferienhaus in einem winzigen Dorf. Mittlerweile haben wir uns gut integriert, haben gelernt ihre Sprache zu sprechen und uns den einheimischen angepasst, gelungene Integration also. Napoleon sagte einmal sinngemäß, wenn man ihn kidnappen würde und ihn mit verbundenen Augen nach Korsika verschiffen, dann würde er noch vom Wasser aus seine geliebte Insel am Geruch erkennen. Und diese Aussage kann ich nur bestätigen und traue es mir selbst zu.


Es wird nun keinen Verwundern, dass ich wie vom Blitz getroffen erstarrt bin, als ich las, dass der berühmt-berüchtigte Jim Murray einen Whisky aus Korsika verkostet hatte und diesen auch noch als fünftbesten der Welt bewertete. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht mal das auf „meiner“ Insel überhaupt Whisky produziert wird und dann soll er auch noch so „extraordinär“ sein. Außerdem versprach Jim Murray, der Whisky hätte die Gerüche und Geschmäcker der Insel in einer hervorragenden Komposition eingefangen. Leider habe ich diese Nachricht erst lange Zeit nach ihrer Veröffentlichung gelesen und es war mir nicht möglich mir den selben Whisky zu besorgen. Aber immerhin konnte ich dieses Jahr einen anderen Whisky der Distillerie Mavela erstehen und teile hier mit euch meinen Eindruck davon.



Geruch:

- Das erste was einem hier in die Nase kommt ist eine Mischung aus Alkohol und etwas undefinierbarem. Nach einer Zeit des „erschnupperns“ lässt sich dieser ungewöhnliche Geruch definieren. Es riecht nach Nüssen und einer Mischung aus Pfefferminz und Eukalyptus, überwiegen tut jedoch der Geruch nach Myrte. Angenehm ist das ganze zunächst nicht und es sind zwar typische Gerüche der Insel, aber um es kurz zu machen, der Whisky riecht nicht nach Korsika.

Geschmack:

- Im Mund kommt vor allem der alkoholische Geschmack zum Vorschein. Nach einer weile wird dieser von Myrte abgelöst. Besonders komplex ist der Malt nicht und es kommen leider auch keine anderen Geschmäcker mehr zum Vorschein. Die Zunge fühlt sich trotz den nur 40% ziemlich taub an und prickelt.

Abgang:

- Im Abgang kommen wieder die Noten zum Vorschein, die man anfangs gerochen hat. Es wird nicht mehr alles von der Myrte und dem Alkohol überlagert. Der Abgang ist relativ lang und der Geschmack nimmt kontinuierlich ab. Das Problem ist eigentlich nur, dass man sich wünscht es würde schneller gehen.

Fazit:

- Was hier in der Flasche war hat für mich mit einem Whisky nicht sehr viel zu tun. Geschmacklich hat man es hier eher mit einem Myrte-Schnaps zu tun. Es sind kaum welche bis gar keine typischem Aromen vorhanden. Ich kann dieses Destillat auch leider weder als Whisky noch als Myrte-Schnaps empfehlen. (40 Punkte, 39 davon weil ich nicht erblindet bin)

Und nun zu dir „Jimmi-Boy“: Für mich gibt es eigentlich nur drei mögliche Szenarien, wie Jim Murray zu seiner Bewertung für den Whisky kam.

Die erste Vermutung ist wohl am wahrscheinlichsten. Jim Murray verkostete einen 12-jährigen Whisky der Brennerei, der vermutlich besser ausbalanciert war und bei dem der alkoholische Geruch und Geschmack entweder kaum mehr vorhanden oder zumindest deutlich besser eingebunden war. Somit mag es sein, dass Jimmi`s Abfüllung der Destillerie super war und meine sehr bescheiden. Dies wäre eine Erklärung für die hohe Bewertung, spricht jedoch trotzdem nicht sehr für die Brennerei, wenn ihr Standartprodukt einfach unterirdisch schmeckt.

Die zweite Möglichkeit die mir in den Kopf kam war, dass die korsische Mafia vielleicht immer noch mehr zu sagen hat als ich dachte. Wer weiß, vielleicht trinkt Jim Murray seit seiner Bewertung Espresso kostenlos in der Bar „Brise de Mer“ in Bastia. Wie gesagt, es kam mir in den Kopf, ich möchte niemandem etwas unterstellen.

Das dritte und letzte vorstellbare Szenario für mich ist, dass Jim Murray einfach ein großer Fan der Insel ist und sich eventuell genau wie ich zunächst einmal riesig gefreut hat, dass es auf Korsika eine Destillerie gibt. Wenn er den Whisky dann auch noch vor Ort probiert hat, mit dem Blick aufs Meer oder in den schönen Bergen, umgeben vom Duft der Insel, vielleicht hat er dann von Gefühlen geleitet eine überhöhte Punktzahl gegeben. Das wäre dann wohl irgendwas zwischen romantisch und unprofessionell.

Abschließend kann ich sagen das es viele Dinge gibt die auf Korsika unglaublich schön sind und Dinge die unglaublich gut schmecken, Whisky gehört jedoch nicht dazu. Was allerdings dazu gehört ist mein Lieblingsstrand, und mit dem endet auch diese Review.

Danke fürs Lesen

Malthead