Der Prinz von Bellair: Tasting Armagnac Darroze 1969


Hinter meiner saloppen Bezeichnung der Prinz von Bellair verbirgt sich natürlich nicht der Fresh Prince Will Smith, denn dann hieße es auch Bel Air. Nein ich verkoste einen Bas-Armagnac von Darroze aus der Domaine de Bellair. Gebrannt wurde das gute Stöffchen 1969 und es dauerte 50 Jahre bis das Destillat seinen Eichenholz-Sarg wieder verlassen durfte, um mahagoni-farben das Licht der Welt wieder zu erblicken.

Natürlich geht es in meinem Blog primär um Whisky, ich bin jedoch der Meinung man sollte seinen Blick nicht verschließen und auch mal probieren was links und rechts des Weges noch so rumsteht. Einen Armagnac konnte ich hier und da schonmal probieren und ich war durchaus angetan. Geschmacklich gibt es hier natürlich Unterschiede zum Whisky aber einige Parallelen gibt es auf Grund der Lagerung dann doch. Denn 50 Jahre Eichenholz gehen an keinem so spurlos vorbei. Eine interessante Alternative ist Armagnac auch auf Grund des Preises. Oder kann mir irgendwer einen Whisky nennen der 50 Jahre im Fass lag und als Destillerie-Abfüllungen von einem angesehen Hersteller für knapp 250€ 2019 auf den Markt kam? Ich denke da wäre es selbst mit 1000€ schwer bis unmöglich etwas zu finden. Mir zeigt dieses Beispiel vor allem eine Sache, es ist möglich etwas zu brennen und 50 Jahre im Eichenfass zu lagern und es für einen solchen Preis zu verkaufen, warum man bei einem Whisky dann also solche Mondpreise bezahlen muss überlasse ich mal eurer Phantasie. Ob der Darroze nun etwas taugt und mich spontan zu einem Carlton-Dance ansetzen lässt, wird sich zeigen.


Tasting


Geruch:

Wenn man sich die kräftigen, erdigen Holzaromen weggerochen hat und sie etwas ausblendet, dann gibt es sehr viel zu entdecken bei diesem Armagnac. Neben reifen Trauben, Rosinen und Pflaumen, die an eine Sherry-Bombe erinnern entdecke ich Karamell, Vanille und Kaffee. Es ist immer eine sehr fruchtige fast parfümierte Süße im Hintergrund. Der Geruch ist wirklich komplex und es lohnt sich dem Darroze etwas Zeit im Glas zu lassen.


Geschmack:

Dominiert wird der Geschmack ganz klar von Tabak, Holz und leichtem Pfeffer. Das Holz ist allerdings recht süß und auch fruchtige Aromen kommen gut durch. Traube und irgendwie auch Mirabelle auf Grund einer gewissen Säure im Hintergrund. Die dunklen Früchte aus der Nase brauchen eine Zeit, sind aber auch noch da.


Abgang:

Die Säure aus dem Mundgefühl setzt sich zunächst fort und paart sich mit Holz- und Röstaromen. Nuss, Nuss, Nuss, Espresso und Tabak sind hier bestimmend. Zu meinem Gefallen wirkt alles nicht so abgerundet wie bei manchem Cognac. Es ist auch im Abgang noch etwas Pfeffer dabei und ein bisschen Wumms. Die Fruchtnoten bauen etwas ab im Abgang und ich konnte nur noch leicht Pflaume und Karamell entdecken.


Fazit:

Zunächst mal die offensichtliche Feststellung: Ja das ist kein Single Malt und eine Verwechslung möchte ich da selbst bei einem Blind-Tasting fast ausschließen. Dennoch gibt es immer wieder Parallelen zu einem blumigen Sherry-Malt. Eine Bewertung ist hier sicherlich nicht ganz einfach, da ich wirklich kein Armagnac-Head bin. Aber der Darroze ist komplex, gut komponiert, vielschichtig und besonders. Die Trinkstärke (45,4%) ist gut gewählt und das Zeuch schmeckt einfach. Wenn ich ein Bösewicht der alten Schule wäre, dann wäre das das Getränk, dass ich meinen Don-Kollegen in meinem Büro aus einer Kristallkaraffe ausschenken würde. Vor dem Überreichen würde ich mit meinen Fellpantoffeln an meinem Haifischaquarium vorbeischlendern  und gestenreich so etwas sagen wie: "Meine Männer kümmern sich darum."

Ich vergebe meiner Meinung nach verdiente 91 Punkte und kann eines klar sagen: Das war sicher nicht mein letzter Armagnac. Für alle die Mal einen Darroze probieren möchten, hier eine "günstige" und eine kostspieligere Variante.



Und wie immer: Danke fürs Lesen.

Malthead

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