Glendronach Grandeur Batch 7 vs. Glendronach 13yrs. 2003 Tasting


Zwei Glendronachs zu vergleichen ist wirklich eine meiner liebsten Beschäftigungen. Es steht auf einer Stufe mit: Nach dem Frühstück am Wochenende vor der Tür in der Sonne einen Espresso trinken oder dem öffnen des ersten Corona beim Football gucken am Sonntag. Ganz großes Kino also. Heute sind die zwei Kandidaten ein dreizehnjähriger Malt aus einem PX Sherry Puncheon, abgefüllt von Kirsch Import in fassstärke von 55,6% und limitiert auf 698 Flaschen. Und der Glendronach Grandeur Batch 7, der nach 25 Jahren in "Sherry Butts" mit 50,6% abgefüllt wurde. Beim festlichen Anrichten der beiden Tropfen habe ich mich dafür entschieden mit dem jüngeren der beiden Malts mein Tasting zu beginnen, auch um dem älteren etwas mehr Zeit zum Atmen zu lassen.

Base-Links:

Glendronach 2003

Grandeur Batch 7

Glendronach 13yrs 2003:


Geruch:

Dieser Malt braucht wirklich keine zwei Sekunden um mich zu begeistern. Beerig, dunkle Noten steigen aus dem Glas empor. Pflaume, Tabak, Holz und Brombeeren wechseln sich ab. Dazu kommt Schokolade und alles riecht süß und lecker.


Geschmack:

Schon wenn der Whisky im Mund ankommt merkt man wie ölig der Malt ist. Erstaunlicherweise sind die 55,6% hier auch eine sehr nette Trinkstärke. Der Malt ist auch unverdünnt süß, hat nicht zu viel Pfeffer, nette Holzaromen und schmeckt nach dunklen Früchten, Karamell und Schokolade.


Abgang:

Der Abgang ist hier die Fortsetzung von Geruch und Geschmack. Lecker, süß, schokoladig, nussig und mit Espresso-Aromen.


Fazit:

Dieser Malt ist ein verdicktes Elixir eines Standard-Glendronach. Süßer, öliger und fruchtiger. Mit Wasser verdünnt (nur leicht) öffnet er sich noch etwas besser. Das Finish ist lang, warm und nice. Ich vergebe lockere 89 Punkte.



Grandeur Batch 7:


Geruch:

Im Geruch ist mir zunächst Minze, Holz und leichter Schwefel aufgefallen. Dahinter kamen dann leckere Aromen durch: Sherry, Rosinen, Bananen und sogar tropische Früchte wie Mangos. Leider wird es jedoch immer schwerer diesen Schwefelgeruch zu umschiffen. Er wird immer penetranter und riecht wirklich nicht gut.


Geschmack: Ansich ist der Geschmack in Ordnung. Recht süß und fruchtig. Eher helle Früchte wie Mango und Banane und ein wenig Holz. ABER: Das Mundgefühl ist ziemlich wässrig trotz der 50,2%.


Abgang:

Recht holzig und pfeffrig. Später kommen Tabak und Nussaromen hinzu und ganz leichte Lederaromen. Leider ist das Finish recht kurz.


Fazit:

Der Geschmack und der Abgang sind wirklich enttäuschend und das Mundgefühl ist einfach zu wässrig. Verdünnt ist das ganze wirklich nur noch Plörre. Insgesamt fand ich diesen Malt echt enttäuschend und ich kann und will hier nicht mehr als 77 Punkte vergeben, und dabei habe ich den Preis noch gar nicht mit einbezogen.


Welcher Malt diesen Vergleich gewonnen hat sollte wohl jedem klar sein. Abgesehen davon bin ich sehr überrascht von den Base-Bewertungen des Grandeur Batch 7. All die Leute die hier über 90 Punkte vergeben haben, müssen entweder ein ganz anderes Geschmacksempfinden haben als ich oder sie wollten sich vielleicht nicht eingestehen hunderte Euros in den Sand gesetzt zu haben? Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich auch besonders empfindlich bei Schwefel-Aromen? Letztendlich kann ich den Glendronach 13yrs. 2003 von Kirsch Import uneingeschränkt empfehlen und beim Grandeur Batch 7 zur Vorsicht raten. Wer sich hiervon eine Flasche gönnen möchte sollte vielleicht vorher über ein Sample nachdenken.

Danke fürs Lesen.

Malthead


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