Macphail´s 45yrs distilled 1938

Aktualisiert: 3. Dez 2018


Im Jahr 1938 wurde Italien Fußballweltmeister in Frankreich. Ein Schweizer Chemiker erfindet angeblich zufällig die Droge LSD. In Berlin gelingt die erste Kernspaltung. Adolf Hitler annektiert Österreich. Und irgendwo in Schottland destilliert jemand einen Whisky.

Es vergehen die Jahre. Der zweite Weltkrieg beginnt und endet wieder. Halb Europa wird erst verwüstet und baut sich dann wieder auf. Die DDR wird gegründet. Der erste VW Käfer rollt vom Band und wird zum Symbol des Wirtschaftswunders. Deutschland gewinnt zwei mal die Weltmeisterschaft. In den USA kämpfen Martin Luther King, Rosa Parks und viele andere für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner. Und schließlich bottled Gordon&Macphail im Jahre 1983 diesen 1938 destillierten Whisky.

Und weiter vergehen die Jahre. Ein Mensch wird geboren, der später eine Website namens malthead.org betreibt. Deutschland wird Wiedervereinigt. Die Sowjetunion zerfällt. Die Welt wird digitalisiert und das Internet und Handys erobern die Welt. Die Ära Kohl endet und die Ära Merkel beginnt. Die World-Trade-Center werden angegriffen. Deutschland gewinnt zwei weitere Weltmeisterschaften. Und dann schenkt sich jemand am ersten Advent im Jahr 2018, knapp 80 Jare nach der Destillation, diesen einen Whisky in sein Glas ein.


Geruch:

Beim Öffnen der Flasche hatte ich ganz schöne Schweißperlen auf der Stirn. Ich habe gehofft, dass mich nicht gleich der Geruch nach Alkohol und Putzmittel trifft, der gelegentlich aus solchen Miniaturen verströmt, wenn sie die lange Lagerung in so einer kleinen Flasche doch nicht überstanden haben. Ich drehte also den Deckel, hörte das liebliche Knack-Knack des Verschlusses und roch sofort Leder und Wachs. Wuhuuu!!

Im Glas wurden die Aromen noch deutlich dichter. Es roch nach Möbelpolitur und altem Leder. Nach süßen, hellen Früchten, Aprikosen und Honig, Dahinter Bienenwachs, Marzipan, Vanille und eine ganz leichte Säure. Der Geruch nach Holz hielt sich wirklich zurück und war sehr gesetzt und angenehm.


Geschmack:

Ein süß, samtiger, holziger Antritt verbreitet sich sofort im kompletten Mundraum aus. Die "nur" 40% machen sich überhaupt nicht bemerkbar. Der Malt hat genug Geschmack und Pfeffer und ist für mich genau richtig abgefüllt. Nach einer Weile im Mund schmeckt man dunkle Früchte, Vanille und Marzipan. Etwas gesetztere Aromen die an Tabak und Kaffe erinnern kommen hinzu.


Abgang:

Der Abgang startet angenehm würzig mit sehr netten Holzaromen. Relativ schnell kommt dann auch wieder das Wachs und das Leder und dieser unglaublich leckere Marzipangeschmack. Das Finish ist wirklich sehr lang und es bleibt nach circa 10 Minuten ein Walnussgeschmack übrig, der dann noch für sehr lange Zeit anhält.


Fazit:

Dieser Whisky ist für mich destillierte Geschichte. Selbst wenn er nur durchschnittlich geschmeckt hätte, würde ich mich ewig daran erinnern ihn mal getrunken zu haben. In diesem Fall schmeckte der Whisky aber zusätzlich auch noch hervorragend. Die 45 Jahre im Fass haben ihm nur Gutes hinzugefügt und haben ihn nicht bitter oder holzig werden lassen. Der Whisky wurde zu einem öligen Elixir aus allen Aromen, die man bei einem alten Whisky haben möchte. Ich muss bei meiner Bewertung noch ein bisschen Platz nach oben frei lassen, für den Fall dass ich jemals etwas besseres trinken werde, daher gebe ich "nur" 96 Punkte und werde diesen Whisky nie vergessen.


Mich würde bei der Gelegenheit einmal interessieren, wie alt der älteste Whisky war den du je getrunken hast? Sowohl was das Age-Statement als auch was den Destillationszeitpunkt angeht. Schreibt es mir einfach in die Kommentare.


Danke fürs Lesen.

Malthead

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