Old Parr Blend 12yrs old


Es wär einmal vor langer langer Zeit, da liebten die Leute Blends. Ja diese Zeit gab es wirklich, aber das war noch vor der großen Whiskykriese vor mehr als 30 Jahren. Während Blends nun eine geraume Zeit lang von den Maltheads fast geächtet wurden, sind sie meiner Meinung nach wieder etwas im kommen. Es wird vielerorts versucht etwas Transparenz in die Blend-Industrie zu bringen und auch die Kunst des Blendens hervorzuheben. Denn ein guter Blend braucht gute Inhaltsstoffe und muss gut komponiert sein. Heute möchte ich keinen neuen Blend trinken sondern einen aus der "alten" Zeit.

Der Grand Old Parr wurde nach Thomas Parr benannt. Einem Mann aus Schottland, der angeblich 152 Jahre alt wurde. Man kann das nun glauben oder nicht, immerhin wurde Thomas Parr alt genug um zu folgender Weisheit zu kommen:

"Halte deinen Kopf kühl durch Mäßigung und deine Füße warm durch Bewegung. Steh früh auf, geh früh zu Bett, und wenn du wohlhabend werden möchtest, halte deine Augen offen und deinen Mund geschlossen."

Klar werde ich den Mund nicht geschlossen halten, denn ich will ja ein Tasting machen. Vorher sei aber noch gesagt, der Leadmalt dieses Blends ist Cragganmore und der Grand Old Parr gilt als Deluxe Blend, der unter anderem 91,5 Punkte von Jim Murray bekam. Die Verfügbarkeit in Deutschland ist recht eingeschränkt, wohingegen dieser Blend in Südamerika wohl viel getrunken wird und gut verfügbar ist.


Tasting


Geruch:

Eine Mischung aus Rosinen und Orangen steigt mir sofort in die Nase. Zunächst ist alles etwas alkoholisch, dann verschwindet der Alkoholgeruch aber und macht Platz für Holz, Toast, Wachs und Tabak.


Geschmack:

Was für ein süßer orangiger Antritt. Viel Honig und Orangenmarmelade. Dahinter Leder, Tabak und letztendlich Holz und einige feine Röstaromen, eher Kaffee als Espresso.


Abgang:

Ein fast schon staubiger Abgang wird hier geboten. Viel Holz, allerdings nicht bitter, gepaart mit Leder, Tabak, Walnuss und Schokolade. Intensität ist O.K., die Länge naja.


Fazit:

Insgesamt vermittelt dieser Blend einen guten Eindruck dieser alten Zeit, in der die Aromenpalette des Whiskys und der Blends doch noch eine andere zu sein schien. Die Malts hatten zwar eine gewisse süße, diese war jedoch weniger intensiv und weniger, wie soll man das sagen? Quietschig?

Es ist ja ein Unterschied ob man einen Tee mit Honig hat oder ein Schlumpfeis. Beides ist dann süß aber beim einen denkt man hmmm nett und beim anderen an die nächste Zahnarztrechnung.

Ob die Industrie es heute nicht mehr so gut schafft Leder, Wachs oder Möbelpolitur als Geschmacksnuancen in einen Malt oder Blend einzubringen oder ob sie es nicht möchten, kann ich nicht beurteilen. Aber Schade finde ich es auf jeden Fall.

Abschließend bleibt zu sagen, man bekommt hier zwar einen Eindruck dieser alten Geschmäcker aber sonderlich fein, intensiv und ausgereift ist das ganze dann doch nicht. Heute gibt es von mir immerhin 81 Punkte.

Hier ist noch der Baselink zu meiner Abfüllung. Und hier ein Amazon-Link zu einer aktuellen Abfüllung:


Danke fürs Lesen.

Malthead