"Prince of Wales" - Infos und Review zu einem Whiskey den kaum einer kennt.

Aktualisiert: 19. Nov 2018


Whisky und Wales, das passt für die meisten Menschen wohl erst zusammen seit es die Destillerie Penderyn gibt. Die wenigsten Leute wissen jedoch, dass in Wales bereits im vierten Jahrhundert Whiskey destilliert wurde und dass zwei Marken, die noch heute ein großer Player im Buiseness sind von Walisern gegründet wurden. Und auch zwischen dem vierten Jahrhundert und heute, wo es Penderyn gibt, wurde in wales Whisky oder Whiskey produziert. Zwei dieser Destillate möchte ich heute verkosten und einen kleinen Einblick in deren Geschichte geben.


Es geschah in den 1970er Jahren als ein Mann namens Dafydd Gittins, ein Pubbesitzer aus Wales, eine Lieferung Met (Honigwein, nich Mett mit Zwiebeln etc.) zu einem lokalen Schlossbesitzer brachte. In diesem Schloß fiel ihm eine Flasche in einem Glaskasten auf. In dieser Flasche befand sich Welsh Whiskey. Bis dahin wusste Herr Gittins nicht das es Welsh Whiskey überhaupt gibt und daher interessierte er sich sehr für dieses Thema. Er fand heraus, dass ein gewisser Reaullt Hir bereits im vierten Jahrhundert in Wales Whiskey produzierte, und somit schon vor der Iren.


Außerdem startete im Jahr 1705 die erste kommerzielle Produktion von Whiskey in Wales durch die Familie von Evan Williams. Diese zogen jedoch kurze Zeit später in die USA, wo sie die Kentucky Whisky Industry gründeten. Dort gesellte sich dann nach einiger Zeit noch ein weiterer Waliser dazu und gründete seine eigene Firma. Dieser Herr hieß Jack Daniel.


Auch am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurde in Wales noch Whiskey produziert. In dieser Zeit jedoch nicht mehr kommerziell, sondern von Mönchen, denen dies kurze Zeit später von der Kirche untersagt wurde. Und so lag die Whiskeywelt in Wales für knapp 70 Jahre komplett brach. Bis zu dem Tag als Dafydd Gittins die alte Flasche Welsh Whiskey fand.


Eines fiel Herrn Gittins bei seiner Recherche jedoch besonders auf und das war, dass bei der Produktion des Welsh Whiskey weniger Wert auf die Lagerung des Whiskey gelegt wurde, vielmehr wurde das Destillat durch die Hinzugabe von Kräutern bei der Destillation geschmeidig und weicher gemacht. Da Gittins einen traditionellen Welsh Whiskey produzieren wollte, machte er sich also auf die Suche nach passenden Kräutern, leider konnte er, in den ihm zur Verfügung stehenden Quellen, keine Angabe dazu finden welche Kräuter früher dafür verwendet wurden. Er kam zu dem Schluss, dass es sich nur um heimische Kräuter gehandelt haben kann und nach ganzen sechs Jahren des experimentierens hatte er sein Rezept vollendet um einen seiner Meinung nach typischen Welsh Whiskey zu produzieren.


Bei der Produktion wurde gemälzte Gerste verwendet, die in traditionellen Kupferbrennblasen zweifach destilliert, und anschließend für zehn Jahre in Eichenfässern gelagert wurde. Quasi als finish wurde das Destillat dann mit den 7 Kräutern vermischt und anschließend gefiltert und abgefüllt. Nur zwei dieser Kräuter wurden offiziell bekannt gegeben. Dies waren Kuhpetersilie und Safran.


Die Produktion des Welsh Whiskey unter den Namen Prince of Wales und Swn y mor gestaltete sich allerdings als schwierig und Herr Gittins hatte immer wieder Probleme mit dem Gesetz. Zunächst deshalb weil er seinen Whiskey in seinem Pub ausschenkte ohne eine Lizenz zum Brennen zu haben. Dieses Problem konnte er jedoch noch lösen.


Da er am Anfang noch nicht auf ein eigenes Destillat zurückgreifen konnte, bezog er schottischen Whisky und versetzte diesen mit Kräutern. Allerdings machte er hierbei ein Vatting aus zwei verschiedenen Malts (einer davon soll wohl ein Tomatin gewesen sein), nannte sein Produkt dann aber Single Malt Welsh Whiskey. Später nannte er sein Destillat Oak Aged Welsh Malt Whiskey, denn er bekam Probleme mit der Scotch Whisky Association. Am Ende stellte Herr Gittins die Produktion des Whiskeys wieder ein, da er immer wieder Steine in den Weg gelegt bekam und Probleme mit dem Gesetz hatte.


Nun aber mal zum Tasting:



Geruch:

Man riecht zunächst mal vanillige, süßliche Noten und exotische Früchte. der Geruch verspricht einen süßlichen runden Malt. Wenn man lange schnuppert hat man einen leichten Stich in der Nase, der kommt aber wohl von den Kräutern und nicht vom Alkohol. Insgesamt ist der Geruch ganz angenehm und gefällig.


Geschmack:

Der Geschmack dieses Whiskeys ist absolut harmonisch. Es sticht nichts besonders heraus. Der Whiskey ist samtig süß. Schmeckt als wäre er aus einem Bourbonfass. Es kommen exotische Früchte, honigsüße und ganz leichter Pfeffer hinzu.


Abgang:

Das Finish gestaltet sich sehr lang und angenehm. Man hat ein leichtes prickeln hinten auf der Zunge und schmeckt noch lange eine gewisse süße im Mund, durchaus auch noch zehn Minuten später.


Fazit:

Es ist ein wirklich gut ausgewogenes fruchtiges und süßes Destillat. Sehr ölig und durchaus trinkbar. Insgesamt fühlt sich der Whiskey für mich aber eher nach einem gut komponierten Blend an. Komischerweise stechen keine Kräuter hervor. (81 Punkte)



Geruch:

Bei diesem Whiskey steigt einem relativ schnell Holz und eine Kräuternote in die Nase. Auch hier ist ein leichter Stich in der Nase. Der Geruch kippt auch in Richtung Klebstoff. Nicht sehr angenehm.


Geschmack:

Geschmacklich ist der Whiskey leider nicht sehr komplex. Er ist süß, weich und ölig aber leider auch etwas wässrig und verändert sich im Mund leider auch kaum.


Abgang:

Das Finish ist hier deutlich kürzer als beim NAS Prince of Wales. Es schmeckt nach Holz, brennt ganz leicht und es steigt einem süße in die Nase. Spontan würde ich sagen das hierfür die Kräuter verantwortlich sind.


Fazit:

Auf jeden Fall ist dieser 12er deutlich schlechter als der NAS Prince of Wales. Er ist weniger komplex, die Aromen sind nicht so vielfältig und angenehm und der Geschmack ist etwas merkwürdig.(65 Punkte)



Mein Fazit zu beiden Abfüllungen und zur Marke Prince of Wales ist etwas zwiegespalten. Ich finde die Geschichte dieses Whiskeys brilliant, ich würde mir liebend gerne eine große Flasche Prince of Wales in die Hausbar stellen und jedem der die Flasche anguckt diese super Geschichte hinter der Flasche erzählen (gefragt oder ungefragt). Aber: Man muss diesen Whisky nicht wirklich getrunken haben. Der Prince of Wales aus der roten Flasche war durchaus in Ordnung es ist aber auch kein Verlust ihn noch nicht probiert zu haben. Wer einmal zu einem vernünftigen Preis eine Flasche ergattern kann dem Rate ich sie unbedingt zu kaufen und sie dann niemals zu öffnen. Als Sammlerflasche ist diese Abfüllung Gold wert, zum trinken eher nicht.

Danke fürs Lesen

Malthead

0 Ansichten